Sonntag, 26. Mai 2013

Im Sog des Mahlstroms



The truth is out there - or at least behind the Screen.

 Kapitel 3 - Amy Rigor-Mortis

            Unter metallischem Ächzen riss die Verriegelung im Inneren der Konstruktion. Von dem unerwartet aufgegebenen Widerstand überrascht konnte Alyssa den magischen Druck, den sie auf das Schloss ausübte, nicht mehr rechtzeitig zurücknehmen, sodass der Kofferraumdeckel nach oben schnellte, gefährlich gegen die Heckscheibe schlug und beinahe aus seinen Scharnieren gerissen wurde - nur um sogleich wieder in die geschlossene Position zurück zu krachen. Ohne funktionierenden Verschluss blieb der Deckel aber nicht unten, sondern wippte noch einige Male von jammernden Geräuschen begleitet auf und ab, bis er jegliche Bewegungen einstellte. Von dem plötzlichen Lärm erschrocken, steckten Cone, Largo und Hendrik fragend die Köpfe aus dem Fond der schwarzen Limousine, wo sie schon seit einer Weile versuchten den Bordcomputer zu starten. Sunetra schüttelte tadelnd den Kopf. "Geht das auch mit ein bisschen mehr Gefühl, Gajin?!"
            "Immer locker durch die Hose atmen! Alles ist in Ordnung. Es ist nichts passiert." Beschwichtigend hob die menschliche Zauberin ihre Hände und grinste verlegen. Die beiden Orks stiegen aus und kamen zu ihr, während sich der Rigger wieder dem Computer zuwandte. Nachdem sie im Eppendorf See den Mercedes CL entdeckt hatten, rief Iron Frau Schmitt an. Ihre Kontaktperson im Rathaus sollte ihnen bei gewissen bürokratischen Hürden unter die Arme greifen. Wie zu erwarten verwies Frau Schmitt aus der 'Verwaltung' den Runner an eine andere Abteilung. 'Typisch für diese Sesselfurzer. Ja nichts machen, wofür man nicht zuständig sein könnte.', dachte Alyssa bitter. 

Montag, 20. Mai 2013

Im Sog des Mahlstroms



 Kapitel 2 - Abgetaucht

           Dass sich Konzerne gerne Euphemismen bedienen ist nichts Neues. Dennoch musste ich lachen, als wir am Wohnblock 'Schattige Gärten' angekommen waren. Der Eingang lag in einem schmalen Seitengässchen, das von Efeuranken bereits halb zugewuchert war und dem von deutlich höheren Gebäuden umgebenen Betonklotz immerhin ein klein wenig Farbe verpasste. Die anderen in die Jahre gekommenen Bauten hatten die Gärten wie hässliche Neonaziglatzen umringt und spendeten bedrohlichen Schatten. Eines Tages werden sie einstürzen und dabei den armen Tropf in ihrer Mitte mit sich zu Boden reißen, so viel ist sicher. Ich konnte spontan verstehen, warum Stefanie Halvers es vorzog bis spät in die Nacht zu arbeiten anstatt mehr Zeit in diesem ungastlichen Viertel zu verbringen. Zugegeben: dass ihre Bettgenossin im Rathaus das Sagen hatte, spielte sicherlich auch eine entscheidende Rolle.    
            In ihre Wohnung zu kommen stellte wie zu erwarten eine geringere Herausforderung dar, als mit einem Guhl ein Steak zu teilen. Dank der Zugangsberechtigung zum Haus, die wir vom Schmidt bekommen hatten, ließ uns das Sicherheitssystem des Wohnblocks automatisch bis zur Wohnungstür im vierten Stock vor. Erst dort wurde es etwas spannend, als wir Männer uns beim knacken der Türverriegelung gegenseitig im Weg herumstanden und sich Largo beim Aufstemmen des kleinen Kästchens an der Wand fast die Finger gebrochen hatte. Glücklicherweise verkniff sich der Zwerg das Fluchen, als ihm zum wiederholten Mal der Schraubendreher schmerzhaft in seine linke Hand abgerutscht war, weil Cone und ich ebenfalls helfen wollten. Hätte er losgezetert, wäre nämlich die Wachdrohne sofort auf uns aufmerksam geworden, die im Seitengang auf uns zu schwebte. So konnte ich die Kabel im geöffneten Kästchen neu verdrahten um das Türschloss zu entriegeln. Geschwind versteckten wir uns in Halvers Bude und schlossen gerade noch rechtzeitig die Tür hinter uns, bevor die Drohne um die Ecke düste. Das war mir eine Spur zu knapp gewesen. Wenigstens hatten die Magierinnen uns dabei nicht zusehen können. Über dieses Schauspiel hätten die sich noch in zehn Jahren kaputtgelacht. 

Sonntag, 5. Mai 2013

Im Sog des Mahlstroms




Kapitel 1 - Talk im Turm

            Der affektierte Fatzke hatte ein penetrantes Dauergrinsen im Gesicht, das man ihm entweder in die Fresse operiert hatte oder ein Muskelkrampf nach einem Schlaganfall gewesen sein musste. Er bat den nächsten Gast herein. Der Kerl, der den Raum betrat, wirkte allerdings nicht weniger arrogant und unausstehlich. Einem Pennäler gleich stakste er in seinem Konfirmandenanzug steif wie ein Brett zum Moderator und schüttelte ihm ebenso steif die Hand. Hat man dem Typ einen Besenstecken in den Arsch gerammt?!            
            Eins steht jedenfalls fest: wenn ich etwas noch weniger leiden kann als das verlogene Politikerpack, dann ist es die heuchlerische Berichterstattung während der Wahlen. Heute stand Ulrich Wolfsen auf dem Speiseplan des NDR und das aufstrebende Moderatorenzäpfchen Eike Tüünlüüd hielt gierig das Besteck in den Händen. Nach ewigem Geplänkel über triviale Nichtigkeiten, wie dass Wolfsen doch so dankbar und geehrt sei, weil der NDR ihm Gehör schenken würde, und wie ihm doch die Leute von Altona am Herzen liegen würden, wechselte Tüünlüüd rasch zu ernsteren Themen.    
           
"Herr Wolfsen, sie gehören der etablierten CDU an. Was haben sie als erstes gedacht, als Linda Schiller - eine Parteienlose - nach einer rasanten Aufholjagd in der letzten Woche laut den letzten Hochrechnungen von heute Morgen in der Wählergunst an ihnen vorbeigezogen ist?"           
                "Ach wissen sie, diese Vorhersagen sind doch im Grunde nicht mehr als ein trüber Blick in die Kristallkugel. An den Wahlurnen wird sich entscheiden, wem die Bürger wirklich ihr Vertrauen schenken."        
                "Aber hatten sie sich denn nicht selbst bereits vor drei Wochen nach der Bekanntgabe der damaligen Umfrageergebnisse zum Sieger der Wahl erklärt?"
Ich mochte den Kerl nicht, aber in dem Punkt musste ich ihm Recht geben.