Freitag, 14. Juni 2013

Im Sog des Mahlstroms



 Kapitel 6 - Arische Kronen

            Es gibt Tage an denen ich am liebsten alles hinschmeißen würde. An diesem war ich bereits als Abschleppdienstleister unterwegs gewesen, hatte eine Leiche untersucht, war mehrfach durch halb Hamburg gedüst, um mich aus einem zwielichtigen Casino werfen zu lassen, um einen Aufmarsch von Neonazis aufzulösen (Und das wohlbemerkt lediglich mit einem Telefon bewaffnet!), nur um bei einem simplen Überwachungseinsatz fast eine Freundin zu verlieren und versehentlich einen unschuldigen Mann anzuschießen, als ich eingreifen musste. Dass uns Doc Wagon auf unserer Flucht beinahe das Fell über die Ohren gezogen hatte, erwähne ich besser gar nicht. Ich will endlich ins Bett.          
            Stattdessen stand ich kurz vor Mitternacht mit stetig sinkender Laune im sechsten Stock einer verlassenen Baustelle, die einmal ein Bürogebäude hatte werden sollen bevor die wirtschaftliche Realität sie eingeholt hatte, und verhörte eine der Glatzen, die wir im Hotel gefangen nehmen konnten. Obwohl Lightning ihn fest mit Kabelbinder verschnürt hatte, windete sich der Bastard als hielte er sich für Houdini höchstpersönlich. Aus der Misere brachte ihn das allerdings nicht. Nachdem ihn auch nettes Fragen, höfliches Drohen und grobes Argumentieren nicht zum Reden gebracht hatte, packte ich ihn am Schlafittchen und hing ihn durch ein brüstungsfreies Fenster am Rand der Baustelle über den Abgrund. Doch auch dann weigerte er sich partout sein Maul aufzumachen. Nebenbei bemerkt trugen seine permanenten Beleidigungen nicht dazu bei meine Stimmung zu heben.    

Samstag, 8. Juni 2013

Im Sog des Mahlstroms



 Kapitel 5 - Totgesagte leben länger

            Ohne übertriebene Hektik steuerte Hrabnaz den alten, von Rost zerfressenen, klapprigen Golf 13 auf einen der wenigen Parkplätze vor dem Hotel. Auch wenn er sich dank seiner magischen Künste sehr gut seiner Haut erwehren konnte, war er froh, dass eine der wenigen funktionstüchtigen Lampen in der Straße diesen Platz erhellte. Die Gegend war ziemlich herunter gekommen. Müll lag auf der Straße und dem Gehsteig. Die mit zerfledderten Plakatresten beklebte Litfaßsäule, ein Relikt aus den Tagen vor der Erfindung des Augmented Reality, stand so schief, dass man meinen konnte, sie wolle sich auf den erstbesten Passanten fallen lassen, der so dumm war sich ihr zu nähern. Der Putz bröckelte bereits von der Fassade des Hotels 'Heitere Springflut'. Der Name ließ den Schamanen abfällig grunzen. Sein bester Freund, der zeitgleich auch sein Boss war, sah fragend vom Beifahrersitz zu ihm herüber. "Guck dir die Gegend an! Das Einzige, das hier für Heiterkeit sorgt, ist die Straße, die von dem Drecksloch wieder weg führt." 
            Heinrich lächelte sein bitteres Lächeln - wie er es immer tat, wenn er zynisch wurde. "Ich weiß gar nicht, was du hast. In solchen Gegenden hatte ich bisher immer am meisten Spaß" Dabei fuhr er mit seinem Kampfmesser sanft seinen Zeigefinger ab und blickte ihn über die Klinge hinweg an. Sein Boss liebte den Zweikampf und war berüchtigt für seine brutale Vorgehensweise, besonders wenn er ein Messer führte. Hatte er einen Gegner erwischt, stach er nicht erneut zu um die Sache zu beenden. Nein, Heinrich bevorzugte es die Klinge um die eigene Achse zu drehen und sich durch die Eingeweide zu sägen und zu schneiden.

Samstag, 1. Juni 2013

Im Sog des Mahlstroms



Kapitel 4 - Breaking News

Hendrik, 19:43 Uhr

            "Hab ich die Scheiße ihnen zu verdanken?"   
Kaum hatte ich den Anruf auf dem billigen, aber dafür anonymen Wegwerfkomlink angenommen, schnauzte mich unser Auftraggeber barsch an. Ich blinzelte sein Videobild im AR verdattert an und bekam von einem ungelenken 'Ähm...?!' abgesehen keinen Pieps heraus. Mein Blick verriet ihm, dass ich keine Ahnung hatte, wovon er sprach, weshalb er seinen rüden Tonfall wieder etwas zurücknahm: "Schalten sie NDR Kanal 4 ein!"         
            Folgsam startete ich die TV-App meines Komlinks und wartete, bis der Minibildschirm vor der linken Hälfte meines Gesichtsfelds erschien. Die Nachrichten liefen gerade und verhießen nichts Gutes.          
            "
... wurde eine Mitarbeiterin der PR-Abteilung von Bürgermeisterin Lyzhichko bereits seit Dienstag Abend vermisst.", salbaderte die Moderatorin von Hamburg Heute mit einem süffisant unbeeindruckter Lächeln.      
            Als der NDR ein Bild von Stefanie Halvers einblendete, war klar, dass es sich tatsächlich um 'unsere' Vermisste handelte. Zunächst dachte ich mir nichts dabei. Früher oder später musste noch jemand anderes auf die Idee kommen nach ihr zu suchen. Vielleicht hatte jemand einen Kontrollanruf bei ihren Verwandten getätigt oder hatte versucht sie zu erreichen und war misstrauisch geworden. Ich gebe zu, dass es naiv von mir gewesen war, so eine Möglichkeit in Betracht gezogen zu haben, denn am Ende des Beitrags ließ die Nachrichtensprecherin die eigentliche Bombe platzen:          
            "
Unbestätigten Gerüchten zufolge handelt es sich bei Stefanie Halvers um die Geliebte der Bürgermeisterin. Rudolf Neukollen von der Christlichen Volkspartei Hamburgs nahm dies zum Anlass den lockeren Lebenswandel der Bürgermeisterin scharf zu kritisieren."