Sonntag, 23. August 2015

Schatten über Jigoku

Kapitel 8 - Odyssee

            Es verzehrte sich nach Macht und darum war es.     
Gezeugt von einer gewaltigen Explosion, geboren in den kalten Sphären des unendlichen Alls, von Sonnenwinden durch den Äther getrieben, zermalmt vom unermesslichen Druck eines Schwarzen Lochs, durch hunderte Dimensionen gepresst und von der Energie einer Singularität zu neuem Leben erweckt worden: Es war schon alt, als die Zeit ihren Anfang nahm, bevor sich der kosmische Staub zu gewaltigen Ansammlungen verdichtete, in denen wie von Zauberhand Fusionen starteten und sie zu Sonnen werden ließen, die gediehen, ihren rauschenden Höhepunkt feierten, schließlich ausbrannten und vergingen. Rote Riesen, Braune Zwerge und Pulsare waren die Kadaver, die von ihrem einstigen Ruhm zeugten.
            Diejenigen, die es nicht schafften sich in Sonnen zu verwandeln, komprimierten sich zu geringeren Objekten, den Planeten. Doch bestimmten sie nicht ihr eigenes Schicksal. Sie ihrerseits folgten den Sternen, die sie eingefangen hatten. Ihr Aufstieg und Fall war an das ihres Herrn und Meisters geknüpft. So mussten auch sie vergehen, wenn ihre Sonne starb. Verwandelte sie sich in eine Nova, riss sie sie in einem letzen Aufbäumen mit sich ins Nichts. Zurück blieben nur stumme Gerippe, dem Vergessen anheimgefallen, von niemandem betrauert.          

Donnerstag, 6. August 2015

Schatten über Jigoku

Kapitel 7 - Tanz auf dem Grab

            Wie ich dieses Pisswetter hasste.      
Seitdem wir das Mädchen im Dorf getroffen hatten, zog der Sturm über der Insel unentwegt Wolken zusammen, vermutlich für einen alles entscheidenden Angriff, um dieses Stückchen Dreck wieder in den Ozean zurück zu prügeln. Dichter Nebel kochte ein breiiges Süppchen, durch das dicke Regentropfen von weiter oben herunter kamen. Beschleunigt vom starken Wind peitschten sie wie Gewehrkugeln umher und zerplatzten trotzig auf unseren Helmen. Ich war heilfroh über die Schutzwesten, die wir trugen. Sie hielten neben dem Wasser auch einen Großteil der Kälte ab, die uns ebenfalls zuzusetzen begann.     
            Äste der umstehenden Bäume griffen gefährlich nach uns. Ein paar Mal krachten sie sogar auf die Stufen herab, weswegen wir erst den Weg frei räumen mussten, um weitergehen zu können. Und dann war da noch der Lärm, den das Wetter verursachte. Ein hohles, schrilles, modulierendes Pfeifen führte ein vielstimmiges Rascheln, Stöhnen, Knacken und Knarzen der Flora an, begleitet vom millionenfachen Trommeln der wässrigen Drumsets. Zusammen spielten sie die Uraufführung eines avantgardistischen New Age Stücks: dem Präludium zum WildCards Requiem. Es wirkt, als würde der Dschungel lebendig werden, um uns höchst selbst von Jigoku zu vertreiben.